Wenn das Nervensystem im Dauerstress lebt, fällt Abschalten schwer.
Gedanken kreisen weiter, der Körper bleibt angespannt, und echte Erholung scheint nicht mehr möglich. Viele Menschen erleben heute eine dauerhafte innere Anspannung. Selbst dann, wenn objektiv Ruhe möglich wäre.
Viele Menschen beschreiben heute genau dieses Gefühl:
ständig angespannt, schneller gereizt, innerlich unter Strom – selbst dann, wenn objektiv gerade nichts Bedrohliches passiert. Bleibt das Nervensystem dauerhaft aktiviert, entsteht chronische Anspannung.
Was häufig als persönliches Problem wahrgenommen wird, ist in Wahrheit ein systemischer Zustand:
Unser Nervensystem reagiert auf eine Welt, die schneller, unsicherer und reizintensiver geworden ist.
Und es versucht, uns zu schützen.
Wenn das Nervensystem im Dauerstress bleibt
Unser Nervensystem unterscheidet nicht zwischen realer Gefahr und dauerhafter Überforderung.
Es reagiert auf Reizdichte, Unsicherheit, Zeitdruck, Konflikte, permanente Erreichbarkeit und die unterschwellige Wahrnehmung globaler Krisen.
Wird diese Belastung chronisch, bleibt der Körper im Aktivierungszustand.
Typische Anzeichen sind:
- innere Unruhe oder Getriebenheit
- Einschlaf- oder Durchschlafprobleme
- erhöhte Reizbarkeit oder dünnere Nerven
- Konzentrationsprobleme und Gedankenkreisen
- Erschöpfung trotz ausreichender Ruhezeiten
- körperliche Beschwerden ohne klare medizinische Ursache
Viele Menschen versuchen dann, „einfach stärker“ zu sein.
Doch ein Nervensystem lässt sich nicht über Willenskraft regulieren.
Sicherheit ist keine Entscheidung – sondern ein Körperzustand
Aus neurobiologischer Sicht benötigt unser Nervensystem ein Gefühl von Sicherheit, um in Regeneration, Kreativität und Verbindung gehen zu können.
Fehlt dieses Gefühl, bleibt der Organismus im Schutzmodus:
bereit zu kämpfen, zu fliehen oder sich zurückzuziehen.
Wichtig dabei:
Sicherheit entsteht nicht durch rationale Argumente.
Sie wird im Körper erlebt.
Das erklärt, warum Menschen trotz objektiver Stabilität innerlich unsicher bleiben können – oder umgekehrt in schwierigen Lebenssituationen erstaunlich stabil wirken.
Ein hypnosystemischer Blick: Wirklichkeit wird innerlich konstruiert
Hypnosystemische Therapie geht davon aus, dass wir Wirklichkeit nicht objektiv erleben, sondern durch innere Bedeutungsgebung konstruieren.
Erfahrungen, Prägungen und unbewusste Erwartungsmuster beeinflussen, wie sicher oder bedrohlich wir Situationen wahrnehmen.
Zwei Menschen können dieselbe Situation erleben – und völlig unterschiedlich reagieren.
Nicht die Situation allein entscheidet über Stress, sondern die innere Resonanz.
Diese Resonanz ist veränderbar.
Warum Abschalten heute so schwer fällt
Früher gab es klarere Übergänge zwischen Aktivität und Ruhe.
Heute begleiten uns Informationen, Anforderungen und Reize bis in den Abend hinein.
Das Nervensystem bleibt „online“, auch wenn wir körperlich zur Ruhe kommen möchten.
Hinzu kommt:
Ungelöste innere Spannungen, unterdrückte Emotionen oder nicht getroffene Entscheidungen wirken weiter im Hintergrund.
Der Körper versucht zu verarbeiten, was tagsüber keinen Raum bekommen hat.
Ruhe entsteht nicht durch Stillstand – sondern durch Regulation.
Das Nervensystem regulieren – Wege aus dem Dauerstress
Die gute Nachricht:
Unser Nervensystem ist plastisch. Es kann lernen, sich wieder zu regulieren.
Dabei geht es nicht um Perfektion oder vollständige Stressfreiheit.
Sondern darum, flexibel zwischen Aktivierung und Entlastung wechseln zu können.
Hilfreiche erste Schritte können sein:
- bewusst wahrnehmen, wann Anspannung beginnt
- kleine Inseln echter Ruhe im Alltag schaffen
- den Körper gezielt in Entspannung führen (z. B. durch Atmung, Bewegung, Natur)
- innere Dialoge wahrnehmen und freundlicher gestalten
- Überforderungssignale ernst nehmen statt übergehen
- emotionale Themen nicht dauerhaft „wegorganisieren“
Oft genügt es nicht, dies allein umzusetzen.
Gerade bei chronischer Anspannung braucht das Nervensystem ein Gegenüber, das Sicherheit vermittelt.
Wie Coaching und Psychotherapie unterstützen können
In Coaching und Psychotherapie entsteht ein Raum, in dem das Nervensystem zur Ruhe kommen darf. Die gute Nachricht: Auch ein Nervensystem im Dauerstress kann lernen, wieder in Regulation zu kommen.
Nicht durch Druck.
Sondern durch Verstehen, Regulation und neue Erfahrungen von Sicherheit.
Gemeinsam wird erarbeitet:
- wie Stressmuster entstanden sind
- welche inneren Bedeutungen Belastung verstärken
- wie Selbstregulation wieder möglich wird
- wie Sicherheit im Körper erlebbar werden kann
- wie neue Handlungsspielräume entstehen
Viele Menschen erleben dabei erstmals seit langer Zeit wieder ein Gefühl von innerer Ruhe.
Nicht, weil die Welt ruhiger geworden ist –
sondern weil ihr System gelernt hat, sich sicher zu fühlen.
Innere Sicherheit ist möglich – auch in unsicheren Zeiten
Wir leben in einer Welt, die viel von uns fordert.
Daueranspannung ist kein persönliches Versagen, sondern eine verständliche Reaktion.
Doch wir müssen nicht im Alarmmodus bleiben.
Wenn wir lernen, unserem Nervensystem wieder Sicherheit zu vermitteln, entsteht etwas Entscheidendes:
Klarheit. Handlungsspielraum. Verbindung. Lebendigkeit.
Und die Fähigkeit, auch in bewegten Zeiten innerlich stabil zu bleiben.
Wenn Sie merken, dass Ihr Körper nicht mehr zur Ruhe kommt und Sie sich nach innerer Stabilität sehnen, begleite ich Sie gerne.

